espressobar

>> Collaborations- super fast- super cheap << Noch
während
der Ausbauarbeiten kommt eine ältere Dame zu uns
in die Espressobar. Sie bringt uns als Spende einen Schuhkarton voll
alter Espressotassen. Sie erzählt, dass sie seit 30 Jahren in Neustadt
lebt und dass sie als junge Chemikerin in dieser Bar die Liebe ihres
Lebens getroffen hat. Zur Eröffnung ist die Espressobar recht voll.
Ich erkenne sie erst, als sie ihre zweite Runde Sekt bestellt. Sie ist
mit ihrem Mann gekommen. Eng zusammen gerückt sitzen sie in ihrer
Nische und beobachten das Geschehen. Hinter ihnen spiegeln sich die Lichtreklamen
des Neustädter Shoppingcenters in den Fensterscheiben.´
'Hotel-Neustadt' nannte sich das diesjährige Jugend-Theater-Festival
in Halle. Das Konzept des Festivals in Halle war, einen leer stehenden
Plattenbau als temporäres Hotel zu nutzen. Das 'Hotel-Neustadt'
funktionierte gleichzeitig als Bühne für die Theatergruppen, sowie als Übernachtungsmöglichkeit
für Gäste und Schauspieler. Unsere Aufgabe im Rahmen des Festivals
bestand darin, die verlassenen Geschäftsräume im Erdgeschoss
in ein temporäres Festivalcafe zu verwandeln.

Unendlich viele Türblätter, aus um liegenden, ebenfalls leer
stehenden 'Platten’, Schrauben und einige Farben bildeten
die Materialpalette. Als Ort haben wir vorgefunden: einen verlassenen,
zum Platz raumhoch verglasten/ verbretterten Raum, braune mit Spritzputz überzogene
Wände, eine vergilbte, abgehängte Akustikdecke. Die Herausforderung
und der Reiz des Projektes lag für uns in der Begrenzheit der finanziellen
Mittel einerseits und der Unbefangenheit des Temporären und der
großen gestalterischen Freiheit andererseits. Am wichtigsten war
uns die Offenheit zum Platz und eine Gestaltung, die trotz einfacher
Bauweise von den Neustädtern als neue Cafereinrichtung als Zeichen
von Veränderung wahrgenommen würde. Die Realisierung erfolgte
mit einer Gruppe arbeitsloser Jugendlicher aus Halle, sowie Unterstützung
der Theaterwerkstätten.

Das gestalterische Konzept ist einfach: Die Sitzmöbel bilden ein
dynamisches, mäanderndes Gefüge, das sich um die Pfeiler windet
und nach Außen diffundiert. Innenraum und Außenraum werden
zum Kontinuum . Auf die modernistische Idee, der sich unter dem aufgeständerten
Gebäude fortsetzenden Landschaft, beziehen sich die Erd- und Grüntöne
der sich über die Wände ziehenden Farbbänder. Alle Sitzmöbel
sind ausschließlich aus alten Türblättern hergestellt.
Daraus ergibt sich: die max. Möbelhöhe ist die Türblattbreite,
die max. Länge die Türblatthöhe. Die Schattenfugen zum
Boden entstehen durch die Türfalze. Die verschiedenen Höhen
erlauben die gleichzeitige Nutzung als Sitzbank, als Liege, als Frühstückstablett,
als Sonnenschirmhalter...
der
erste gast!


© espressobarteam
2003, last updated: 08.12.2003
team: Anne
Schmidt,Frauke Gerstenberg,
Irina Jurasic, Francesco Apuzzo, Jan Liesegang
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